Nachdem wir ja bereits letztes Jahr eine Reise in die Vergangenheit gemacht haben und einen wunderschönen Urlaub in Jinolice verbrachten, habe ich jetzt zufällig einen weiteren Ort meiner Kindheitserinnerungen wieder entdeckt.
Natürlich ist es auch ein Zeltplatz. Diesmal im wunderschönen Böhmerwald: Annin liegt direkt an einem kleinen wilden Fluß, der Vydra, mitten im Böhmerwald. Der Zeltplatz ist ideal für Wanderlustige. Etwas Stadtflair bietet das nahe gelegene Susice. Natürlich gibt es auch in dieser Gegend viele Burgen, Ruinen und Schlösser zu besichtigen.
Die schönste Erinnerung an meinen Urlaub vor so vielen Jahren ist die an die Abreise. Naja - meine Eltern fanden das damals alles andere als lustig. Die haben sich nämlich nur gewundert, warum mitten in der Nacht um uns herum plötzlich alle ihre Zelte abzureisen schienen und irgendwie fluchtartig jede Menge Autos davonfuhren. Irgendwann hat meine Mama dann den Papa überzeugt, doch mal nachzuschauen, was denn da los sei.
Wir hatten einen Campinganhänger, aus dem man das Zelt ausklappen konnte. So etwas wie dieser Camptourist. Man musste also nicht auf dem Boden schlafen.
Dieser Segen hat uns zwar vor nassen Schlafsäcken bewahrt - aber auch davor, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Als nämlich mein Papa aus dem Hänger trat, stand er schon knöcheltief im Wasser. Irgendwie hat wohl ein Schnee vergessen zu schmelzen und das dann im Sommer nachgeholt - jedenfalls war die wilde Vydra ein bisschen aus den Fugen geraten und hat den Zeltplatz überschwemmt. Nachts um drei.
An den Rest erinnere ich mich schemenhaft. Meine Mutter hat mich als erstes ins Auto verfrachtet und dann wüst alles, was noch trocken war, hinterher gestopft. Mein Papa hat versucht, alle Heringe wiederzufinden (ich bin mir sicher, zwei oder drei leben heute noch dort im Boden) und dann wurde das Zelt eingepackt. Erst der Hänger zugeklappt und dann das nasse Vorzelt oben drauf. So sind wir dann los gefahren. Es war mittlerweile 4 Uhr morgens und immer noch stockdunkel.
Die tapfere Hanne (so hieß unser Trabi) hat sich redlich gemüht. Der Zeltplatz war ja in einem Tal und das arme Auto war mit dem Hänger allein schon arg an der Grenze der zumutbaren Belastung. Jetzt aber das ganze noch in naß! Und damit mussten wir über viele Berge, bis wir daheim waren.
Naja. Irgendwann waren wir dann daheim und es schien wieder die Sonne. Das Zelt wurde getrocknet und wieder fein verpackt. Wenn ich mich richtig erinnere, war dies auch unser letzter Campingurlaub. Den Zelthänger hat mein Papa wenig später einem Arbeitskollegen verkauft. Er hieß Hannes. Der Hänger - nicht der Kollege. Hanne war schon bisserl traurig. Glaub ich.
In zwei Wochen ist es soweit. Dann fahre ich wieder nach Annin. Aber nur ein Tagesausflug. Zum Zelten geht´s vielleicht später mal dahin ;)