![]() | "Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen." erkannte schon der Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Karl Marx. Dennoch halten Unternehmer an Mitarbeitern fest, in der Hoffnung sie irgendwann doch noch ihren Vorstellungen entsprechend anzupassen bzw. klammern sich Arbeitnehmer an ihren Job und glauben fest daran, dass doch noch alles gut wird. Wie kommt es dazu? |
Die Qual der Wahl
Die beste Stellenausschreibung ist eine, auf die sich genau der Kandidat bewirbt. Das passiert in der Praxis allerdings eher selten. In der Regel wird man als ausschreibendes Unternehmen mit Bewerbungen überflutet. Natürlich möchte man als Unternehmer genau den Einen finden, der alle Anforderungen erfüllt und außerdem optimal zum Unternehmen, zur ausgeschriebenen Position, ins Team und zu den restlichen Kollegen passt. Um diesen Wunschkandidaten anzusprechen, muss die ausgeschriebene Stelle also auch eine gewisse Attraktivität ausstrahlen. Hierzu fällt mir immer wieder die Geschichte der Personalverantwortlichen ein, die vor die Wahl "Himmel oder Hölle" gestellt wird. Umgekehrt rückt sich aber auch der Kandidat in das denkbar günstigste Licht und außer ein paar Fakten wie Lebenslauf, Zeugnisse (die ja mittlerweile in einer gewissen Qualität auch einklagbar sind), Zertifikate und bestenfalls Referenzen haben Sie nichts in der Hand. Die Entscheidung fällt also beiden Seiten schwer.
Ich beobachte immer wieder, dass Arbeitgeber sich zu sehr fokussieren, eine Stelle möglichst schnell (wieder) zu besetzen. Die denkbar schlechteste Motivation. Da meistens mehrere Kandidaten zur Auswahl stehen, entscheidet man sich oft für Kandidaten, die wenigstens größtenteils den Vorstellungen entsprechen. Aus Sicht des Bewerbers klingt sowieso erstmal alles ganz toll und man will einfach den Job. Punkt.
Tips für Arbeitgeber:
- Formulieren Sie Ihre Stellenauschreibungen sehr sorgfältig. Verinnerlichen Sie Parkinsons Gesetz der Begabtenauslese!
- Machen Sie aus dem Vorstellungsgespräch ein Mini- oder Einzel-Assessment. Das ist zwar auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, aber immer noch besser als endloses Herumreiten auf den Bewerbungsunterlagen.
- Vereinbaren Sie einen Probearbeitstag. Besser ist eigentlich eine ganze Woche, denn nur Wenige können 5x8h eine Fassade in Alltagssituationen ohne zu Bröckeln aufrecht erhalten.
- Treffen Sie die Entscheidung zur Einstellung des Kandidaten nicht im Elfenbeinturm. Beziehen Sie das Team mit der zu besetzenden Stelle und mindestens eine Abteilung mit einer Schnittstelle wenigstens peripher mit ein.
- Lassen Sie die Stelle solange unbesetzt, bis Sie sich wirklich 100% sicher sind, den Richtigen gefunden zu haben. Fehlentscheidungen kosten Sie und Ihr Unternehmen viel Zeit und Geld!
Tips für den Bewerber
- Bewerben Sie sich wirklich nur auf Stellen, die Sie wirklich 100% wollen. Alles andere ist Verschwendung Ihrer Zeit und die der betroffenen Unternehmen.
- Erkundigen Sie sich vorher über das Unternehmen, in dem Sie arbeiten wollen. Sie kennen mit Sicherheit jemanden, der jemanden kennt, der dort arbeitet. Recherchieren Sie online, schauen Sie sich die wirtschaftliche Entwicklung an, besuchen Sie das Unternehmen auf einer Messe etc.
- Formulieren Sie mindestens einen validen Punkt, warum Sie ausgrechnet diesen einen Job wollen! Antworten wie '...neue Herausforderung...', '...nächster Schritt auf meiner Karriereleiter...', '...unzufrieden mit dem alten Job...', '...besseres Gehalt...' o.ä. sind indiskutabel.
- Formulieren Sie objektiv einen Punkt, warum das Unternehmen ausgerechnet Sie einstellen sollte. Welchen Mehrwert bringen Sie mit?
- Beziehen Sie ihre Freunde und Bekannte in diesen Prozess ein.
Irgendwann fällt die Entscheidung, alles scheint zu passen und man wird sich einig.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Nun, die Zeiten ewiger Bindungen sind sicher vorbei. Dennoch soll eine möglichst lange Zeit ein gemeinsamer Weg beschritten werden. Um sich anfangs eine kleine Hintertür zu bewahren, werden zunächst Probezeiten vereinbart. Irrtümlich gehen die meisten davon aus, dass Probezeiten dafür da sind, als Arbeitgeber die Eignung von Arbeitnehmern festzustellen. Das ist falsch. Natürlich will man sich als Unternehmer überzeugen, dass der Kandidat wirklich die richtige Entscheidung war und im Zweifelsfall möglichst ohne noch größeren Schaden wieder aus der Nummer rauskommen. Das ist unbestritten. Aber Probezeiten gelten für beide Seiten und auch als Arbeitnehmer sollte man kritisch prüfen, ob die Realität hält, was der erste Eindruck versprach. Nämlich genau das tut sie sehr oft nicht.
Die Gründe können vielfältig sein:
- Einer der Kollegen entpuppt sich als Querulant.
- Ihr Vorgesetzter ist ein Wolf im Schafspelz.
- Die Strategie des Unternehmens, die Sie so bahnbrechend fanden, ist nur als Formulierung im mittleren Management angekommen.
- Die Prozesse, wenn überhaupt vorhanden, behindern Sie mehr als dass sie Sie unterstützen.
Die Liste läßt sich fortsetzen. Der Punkt dabei ist, dass man ehrlich sich selbst gegenüber ist, wenn man den Eindruck gewinnt, dass etwas nicht stimmt. Manchmal passen Dinge einfach nicht und manchmal benötigt man etwas Zeit, dies zu bemerken. Und das gilt wieder für beide Seiten. Warum sich an etwas klammern, nur weil man sich eine Fehlentscheidung nicht eingestehen will? Nutzen Sie die Chance und gehen Sie zurück auf Los! Verschwenden Sie nicht noch mehr Zeit und Geld.
Sie als Angestellter werden weder den miesepetrigen Kollegen, das Team, den Chef oder das gesamte mittlere Management geschweige denn das ganze Unternehmen ändern können. Fassen Sie sich ein Herz! Wenn schon Ihr Vorgesetzter nicht in der Lage dazu ist, dann beenden Sie diese Farce. Umgekehrt haben auch Sie als Vorgesetzter den Mut, ein Arbeitsverhältnis innerhalb der Probezeit zu beenden. Hoffen Sie nicht darauf, dass sich Ihr Mitarbeiter schon irgendwann Ihren Vorstellungen anpassen wird. Das kostet alle Beteiligten nur Zeit und Energie, die sie vom eigentlichen Tagesgeschäft abhält.
Love it or change it. If you can´t change it -- leave it!
Auch diese Hürde ist irgendwann gemeistert. Die Probezeit ist vorbei und Sie bereuen Ihre Entscheidung nicht. Beide Seiten sind zufrieden und sich einig, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Das ist prima! Aber auch hier ein aber: Hören Sie nicht auf, regelmäßig zu schauen, ob wirklich noch alles passt. Unternehmen verändern sich. Sie wachsen, schrumpfen, richten sich neu aus, werden verkauft, kaufen andere, bekommen neue Führungskräfte usw. usf. Auch in Ihrem Team ändern sich Dinge: Mitarbeiter gehen, Neue kommen hinzu, Menschen entwickeln sich weiter, Schwerpunkte verlagern sich etc. Diese Veränderungen zu akzeptieren und sich darin wieder zu finden, geht sicher eine Weile gut. Manchmal passen beide Entwicklungen auch wirklich zueinander und es ergeben sich tolle Chancen. Sind Sie jedoch länger als ein paar Wochen unzufrieden, denken Sie genau darüber nach, was passiert ist und was Sie so unzufrieden macht. Haben Sie den Mut, sich einzugestehen, dass man einfach nicht mehr zueinander passt.
About me
Natürlich passen meine Ansichten nicht auf jede Situation. Was ich denke, beruht auf Beobachtungen, Erfahrungen, zahlreichen Weiterbildungen inkl. eines BWL Grundlagen-Studiums sowie einer Interessensvielfalt und sicher jeder Menge hilfreicher Softskills. Meine Ratschläge habe ich selbst in allen Konsequenzen durchexerziert. Ich bin seit fast 15 Jahren in der Dienstleistungsbranche, genauer gesagt in den Branchen IT und Telekommunikation im Bereich Vertrieb. In dieser Zeit habe ich zweimal innerhalb der Probezeit (jeweils ca. im 3. Monat) gekündigt. Auch sonst ging in meiner Laufbahn der Impuls für einen Wechsel meistens von mir aus. Auslöser für die Wechsel waren immer Veränderungen, die sich weit von dem entfernt hatten, warum ich den Job einmal haben wollte: Zahllose Restruktierungen, zu schneller Wachstum, Teams die nicht mehr zueinander passten... Ich habe dabei viel gelernt. Über mich und über das, was mir wirklich wichtig ist. Übrigens bei keinem meiner Wechsel – es waren inkl. der beiden 3-Monats-Jobs sieben – habe ich mehr als drei Bewerbungen verschickt. Bis auf zwei Ausnahmen war es nur eine Einzige! Anekdote am Rande: Meine private Beziehung hat in der Zeit nur einmal gewechselt. Und auch da ging die Initiative von mir aus. Seit ca. sechs Jahren leben mein Ex (der seitdem zu meinen besten Freunden zählt) und ich in neuen Beziehungen und mit Partnern, die wesentlich besser zu uns passen. Win-Win also für beide Seiten ;)


